
30 Okt. Herzöffner, Ohrenöffner, Verbindung – die Mosel zeigt, wie Grenzenlosigkeit gelingt
16. Mosel-Kongress in Nittel zeigt, wie Europa im Kleinen funktioniert
Der 16. Mosel-Kongress der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ stand am 29. Oktober 2025 im Bürgerhaus Nittel ganz im Zeichen von „Mosel grenzenlos – Zukunft gestalten im Herzen Europas“. Rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Weinwirtschaft erlebten einen Abend voller Emotionen, inspirierender Impulse und lebendiger Beispiele europäischer Zusammenarbeit entlang der Mosel.
Ein starkes Zeichen für ein grenzenloses Europa
Landrat Andreas Hackethal, Vorsitzender der Regionalinitiative „Faszination Mosel“, begrüßte die Teilnehmenden zu seinem ersten Mosel-Kongress in dieser Funktion. Er betonte die Bedeutung des Jahresthemas „Mosel grenzenlos“ anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Schengener Abkommens und gab einen Ausblick auf das neue LEADER-Vorhaben 2025–2029, mit dem auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Moselregion weiter gestärkt werden soll.
Für das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium sprach Dr. Joe Weingarten: „Sie sind die Gesichter der Zusammenarbeit. Sie können Brücken bauen.“ Die Moselregion sei ein lebendiges Beispiel dafür, wie Europa im Alltag funktioniert. Das Ministerium unterstütze die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ und den Wettbewerb #moselhelden als Partner mit Überzeugung.
Eine bewegende Rede von Dr. Katarina Barley
Für besondere Gänsehautmomente sorgte Dr. Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments. In ihrer bewegenden Rede sprach sie über die Mosel als Symbol für ein grenzenloses Europa. Als „Flusskind“ vom Rhein beschrieb sie Flüsse als Orte des Lebens, der Begegnung und des Austauschs.
„Ein Fluss kann kippen – genauso wie Europa. Wir müssen auf unser Gleichgewicht achten“, warnte Barley und erinnerte an die Schuman-Erklärung als Ursprung der europäischen Zusammenarbeit. Zugleich zeigte sie, wie viele Projekte seither an der Mosel entstanden sind – von grenzübergreifenden Schulen bis zum Mosel Musikfestival.
Barley rief dazu auf, die Europäische Union zu bewahren: „Die EU ist ein Wunder. Wir müssen lernen, sie zu schätzen und zu schützen.“ Ihr Appell: „Das Gleichgewicht Europas darf nicht aus den Fugen geraten. Mosel grenzenlos – wir alle müssen uns dafür stark machen.“
Talkrunde „Ein Fluss, viele Chancen“
Moderatorin Professor Dr. Sonja Christ-Brendemühl führte souverän und charmant durch die Talkrunde „Ein Fluss, viele Chancen – Kooperation im Dreiländereck“, die zeigte, wie Mosel grenzenlos im Alltag gelebt wird. Auf dem Podium diskutierten Marc Weyer (Luxemburg), Silvia Hees (Hotel Halfenstube Senheim), Klaus Gasteiger (designierter Co-Intendant Mosel Musikfestival), Ralf Uhlenbruch (Bürgermeister Perl) und Stefanie Koch (Saar-Obermosel-Touristik).
Ihre Botschaften waren klar: Grenzen existieren an der Mosel nur auf der Karte. Für Silvia Hees gibt es keine Hindernisse, sondern positive Herausforderungen. Stefanie Koch verband mit Mosel grenzenlos die Freiheit, drei Länder kulinarisch und kulturell zu erleben. Marc Weyer sprach von der Mosel als gemeinsamem Lebensraum, Klaus Gasteiger von Dankbarkeit für die Zusammenarbeit, und Ralf Uhlenbruch nannte es „Europa im Kleinen leben“.
Grenzen überwinden – im Kopf, im Alltag, im Miteinander
Auf die Frage nach den „persönlichen Grenzen“, die sie überwinden wollen, nannten die Gäste sehr konkrete Beispiele: Silvia Hees berichtete von ihrem geplanten Personalhaus in Senheim, das durch digitale Verfahren leichter realisierbar werden könnte. Stefanie Koch wünscht sich, dass grenzüberschreitender Tourismus künftig in den Tourismusstrategien verankert wird. Marc Weyer stellte die Vision eines grenzüberschreitenden Crémants vor – als Symbol gemeinsamer Stärke. Klaus Gasteiger kündigte das Experiment „Zahle, was du möchtest“ beim Mosel Musikfestival 2026 an, um Kultur für alle zugänglich zu machen. Und Ralf Uhlenbruch verwies auf die Special Olympics in Perl als Beispiel für gelebte Inklusion und Barriereabbau.
Zum Abschluss fragte Christ-Brendemühl: „Was bedeutet die Mosel in einem Wort für Sie?“ Die Antworten sprachen Bände: Für Silvia Hees ist sie ein Herzöffner, für Stefanie Koch eine Weinkulturlandschaft, für Marc Weyer die liebens- und lebenswerteste Region der Welt, für Klaus Gasteiger ein Ohrenöffner – und für Ralf Uhlenbruch schlicht Verbindung.
Moselhelden 2025 – Menschen, die Brücken bauen
Den feierlichen Abschluss bildete die Auszeichnung der #moselhelden 2025. Die Preise überreichten Dr. Joe Weingarten, Landrat Andreas Hackethal, Deutsche Weinkönigin Anna Zenz und Moselweinkönigin Teresa Oster.
Ausgezeichnet wurden:
- Hotel-Restaurant Zur Marienburg, Pünderich – „Zu Gast bei Freunden“
- Feller-Maximiner Wein e.V. – „Spektakulärer Weingenuss ohne Grenzen – Herrliche Auszeiten mit Weitblick“
- Museum Glockengießerei Mabilon, Saarburg – „Soziokulturelles Zentrum Kulturgießerei Saarburg“
- Publikumsliebling: Touristikgemeinde Winningen – „Winninger Genussmarkt“
Alle vier Preisträger erhielten einen Scheck über 1.000 Euro, eine Trophäe und eine Urkunde. Die Preisgelder wurden von der Wirtschaftsstandortmarke Rheinland-Pfalz GOLD und WESTENERGIE gestiftet.
Ein Abend, der verbindet
Bei Moselwein, Wasser, Apfelschorle und alkoholfreiem Sekt klang der Abend in entspannter Atmosphäre aus – mit vielen neuen Begegnungen, Ideen und der gemeinsamen Überzeugung: Die Mosel verbindet – grenzenlos, inspirierend, menschlich.
Der Mosel-Kongress wurde gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz, WESTENERGIE, Gerolsteiner Sprudel, den Moselwein e.V. und die Sparkasse.
alle Fotos © Anna Ellert