
09 Sep. 21 neue Naturerlebnisbegleiter für die Mosel – Wissen, Begeisterung und viele Ideen für die Region
Was haben Trockenmauern, Streuobstwiesen, geologische Zeitreisen, Naturgärten, Kinder auf Spurensuche und eine Weinwanderung durch die Felsenwelt gemeinsam? Sie alle zeigen, wie vielfältig Naturerlebnis an der Mosel sein kann.
Nach rund zwei Jahren intensiver Weiterbildung erhielten am 18. August 2026 im Steillagenzentrum des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues 21 Absolventen ihre Zertifikate. Hinter ihnen liegen mehr als 120 Stunden Lernen, Entdecken und Ausprobieren. Online-Seminare, Workshops und Exkursionen führten durch die unterschiedlichen Landschaftsräume der Mosel. Flora und Fauna standen ebenso auf dem Programm wie Geologie und Boden, Weinbau und Biodiversität, Naturschutz, Bildung für nachhaltige Entwicklung und Methoden der Naturvermittlung. Zum Abschluss gehörten eine schriftliche Projektarbeit, ein Herbarium beziehungsweise Faunarium und eine praktische Prüfung. DLR-Dienststellenleiter Norbert Müller stellte bei seiner Begrüßung den Menschen in den Mittelpunkt. Die Weiterbildung solle nicht einfach möglichst viel Fachwissen vermitteln. Ihr Ziel sei vielmehr, Menschen zu befähigen, Zusammenhänge zu erkennen, Geschichten zu erzählen, Neugier zu wecken und Begeisterung weiterzugeben. Naturerlebnisbegleiter seien damit Brückenbauer – zwischen Weinbau, Natur und Umwelt, Wissenschaft und Alltag sowie Tradition und Zukunft. Rund 220 Naturerlebnisbegleiter wurden seit Beginn der Weiterbildung inzwischen zertifiziert.
Staatssekretärin Dr. Kristina Brixius vom Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten stellte die Weiterbildung in den Zusammenhang aktueller Herausforderungen. Klimawandel, Artenrückgang und der Strukturwandel im Weinbau verändern die Kulturlandschaft. Umso wichtiger seien Menschen, die Verantwortung übernehmen, Wissen weitergeben und andere zum Mitmachen bewegen. Naturerlebnisbegleiter können dabei als Brückenbauer, Multiplikatoren und Botschafter ihrer Region wirken. Mosel-Weinkönigin Teresa Oster richtete den Blick auf die Mosel als Heimat und Weinkulturlandschaft. Natur erleben, Zusammenhänge verstehen und die Besonderheiten der eigenen Region wahrnehmen – gerade auch für die junge Generation – waren zentrale Gedanken ihres Grußwortes. Für den Landkreis Bernkastel-Wittlich hob Kreisbeigeordneter Achim Zender die Bedeutung des Netzwerks hervor. Naturerlebnisbegleiter verbinden aus seiner Sicht Tourismus, Weinbau und Bildung für nachhaltige Entwicklung und leisten damit zugleich einen Beitrag zur regionalen Identität. Die Weiterbildung ist in die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ eingebunden und ein Herzstück der Säule „Natur und Landschaft“. Wie aus einer Weiterbildung ganz konkrete Wirkung entstehen kann, zeigte Birgit Ailbout-Binninger aus Briedel, selbst Naturerlebnisbegleiterin des Jahrgangs 2018. Unter dem Titel „Natur erleben – Natur vermitteln“ berichtete sie von ihrem Engagement mit Kindern. Aus ersten Naturbeobachtungen entwickelten sich Umweltbildungsprojekte mit Kindergarten und Schule, Insektenhotels, Schulgarten und Trockenmauer. Ihr persönliches Fazit: Wissen wird noch wertvoller, wenn man es mit anderen teilt.
21 Menschen – 21 ganz unterschiedliche Wege in die Natur
Im Mittelpunkt der Feierstunde standen die neuen Naturerlebnisbegleiter selbst. In jeweils kurzen persönlichen Beiträgen stellten sie ihre Abschlussprojekte vor. Vier Bilder standen dabei für Thema, Motivation, Projektergebnis und den persönlichen Blick nach vorn. Wie unterschiedlich diese Projekte aussehen können, zeigte schon die Themenpalette: Rolf Bayer aus Koblenz nimmt seine Gäste mit auf eine „Reise durch das verborgene Moseluniversum“ und verbindet devonischen Schiefer, Bodenmikrobiologie und Artenvielfalt zu einem integrierten Geo-Bio-System. Vanessa Gasber aus Kenn entwickelte mit den „Naturdetektiven auf Spurensuche“ ein Naturerlebnisangebot für Kinder rund um den Kenner Bach. Thorben Meischies aus Alken stellte sich die Frage, wie sich die große Artenvielfalt der Moselweinberge in den eigenen Garten holen lässt. Denise Scholtes aus Neumagen-Dhron entwickelte auf einer ehemaligen Weinbergsfläche einen Artenvielfaltsgarten am Schieferfelsen – ein Biotopmosaik, das neue Lebensräume entstehen lässt. Ganz andere Schwerpunkte setzten Petra Walenta aus Rhens mit ihrer Gästeführung „Streuobstwiesen – Ein Schatz vor der Haustür“ sowie Klaus Donhauser und Peter Raueiser aus Cochem, die gemeinsam die Naturerlebniskirche St. Remaclus unter dem Leitgedanken „Lebensraum verstehen – Artenvielfalt stärken“ entwickelten. Auch Weinbau und Landschaft gehören selbstverständlich dazu: Iris Nicolay aus Zeltingen-Rachtig verbindet auf ihrer „Wein.Genuss.Erlebnis.Tour.“ die Felsenwelt rund um Erdener Treppchen und Co. mit Natur- und Weinerlebnis. Walter Eberz und Brigitte Lohmeier-Eberz aus Lonnig widmen sich in ihrer Partnerarbeit der lebendigen Weinlandschaft Winningen – von der Vielfalt in der Trockenmauer über den Kinderwingert bis zur Terroir-Verkostung.
Diese Beispiele zeigen: Naturerlebnisbegleiter sind keine klassische Gästeführergruppe. Sie kommen aus unterschiedlichen Berufen und Lebensbereichen, bringen eigenes Wissen, Ortskenntnis, pädagogische Erfahrung, touristische Kompetenz oder handwerkliches Können ein und entwickeln daraus sehr persönliche Projekte. Genau diese Vielfalt macht die Weiterbildung zu einem Netzwerk, das weit über den Lehrgang hinauswirkt. Viele Absolventen früherer Jahrgänge sind längst selbst aktiv: Sie entwickeln Naturerlebnisführungen und Themenwege, gestalten Umweltbildungsangebote für Schulen und Kindertagesstätten, wirken bei der Woche der Artenvielfalt mit, dokumentieren Kulturgeschichte für KuLaDig, bauen Trockenmauern, legen Naturgärten an oder initiieren Projekte in ihren Gemeinden. Die Naturerlebnisbegleiter sind ein zentraler Baustein der Initiative „Lebendige Moselweinberge“ des DLR Mosel. Seit 2013 verbindet die Initiative Weinbau, Naturschutz, Landentwicklung, Tourismus und Umweltbildung. Ziel ist es, die biologische Vielfalt und die besondere Weinkulturlandschaft der Mosel zu erhalten, Menschen für ihren Wert zu begeistern und gemeinsam Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln. Mit der Zertifikatübergabe endet die Weiterbildung – das Wirken der neuen Naturerlebnisbegleiter beginnt jedoch erst. Sie tragen ihr Wissen künftig in Gemeinden, Schulen, Vereine, Weinbaubetriebe, touristische Angebote und eigene Projekte hinein und geben ihre Begeisterung weiter.
Natur verstehen. Menschen begeistern. Zukunft gestalten.
Kontakt:
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel
Görresstraße 10 | 54470 Bernkastel-Kues
Martina Engelmann-Hermen
Telefon: 06531 956 156
E-Mail: martina.engelmann-hermen@dlr.rlp.de
www.dlr-mosel.rlp.de
www.lebendige-moselweinberge.de