
30 Jan. Historische Weinbaulandschaft Lehmener Würzlay im Wandel
Maßnahmen zum Erhalt des traditionellen Landschaftsbildes
Das charakteristische Merkmal der Terrassenmosel sind die Weinberg-Steillagen mit ihren kulturhistorischen Terrassen, errichtet aus Trockenmauern und mit kunstvollen Bruchsteintreppen versehen. Sie stellen für die Bewohner der Region ein Stück Heimat dar und sind gleichzeitig Identifikation. Der xerotherme Lebensraum „Trockenmauer“ bietet zudem seltenen Tieren und Pflanzen, die zum Teil unter Naturschutz stehen, hervorragende Lebensbedingungen gerade in Zeiten des Klimawandels: Ein Hot Spot der Artenvielfalt.
Aus wirtschaftlichen Gründen werden immer mehr Steillagenweinberge aufgegeben. Wenn Rebflächen mit Trockenmauern nicht mehr bewirtschaftet und gepflegt werden, verbuschen sie in kurzer Zeit. Das typische Landschaftsbild verändert sich und wesentlicher Lebensraum für regionaltypische Pflanzen und Tiere geht verloren.
Der Wandel des Landschaftsbildes ist besonders gut an der Lehmener Würzlay mit ihrem vorgelagertem Flussabschnitt zu verfolgen. Die Lehmener Würzlay zählt zu den 30 ausgewiesenen historischen Weinbaulandschaften der Mosel. Der Name ist vom mittelhochdeutschen „Wurzgarten“ abgeleitet. Die Lehmener Würzlay war noch bis in die 1960er Jahren eine klassische Weinbau-Terrassenlandschaft. Die kunstvoll errichteten Trockenmauern, überwiegend auf gewachsenen Fels gegründet, grenzten die einzelnen Weinbau-Parzellen deutlich voneinander ab und bildeten eine klare Struktur.
Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Weinberge in der Würzlay aufgegeben. Heute werden von den 12 ha ehemaliger Weinbaufläche lediglich noch 8 ha bewirtschaftet; der Trend ist weiter rückläufig. Der Verein der Lehmer Razejunge möchten mit seinen Aktionen und Projekten einen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft beitragen und betreibt unter anderem einen traditionellen Weinberg in der Würzlay. Alternative Bewirtschaftungsformen wurden auf ehemaligen Weinbergflächen in Angriff genommen.
Die Razejunge setzen das LEADER-Projekt „Lavendel- und Naturkräuterfelsterrassen“ um. Vereinsmitglieder pflanzten zur Verhinderung der Verbuschung stillgelegter Weinberge über 3.200 Lavendelstauden und schufen in den Folgejahren die größte zusammenhängende Lavendelpflanzung in Weinbergsteillagen an der Mosel. Gleichzeitig wurden ein mediterraner Kräutergarten und ein Weinbergerlebnispfad angelegt. Die Artenvielfalt wurde deutlich gefördert. Die Lehmener Würzlay mit dem Herzstück Razejungewingert wurde als Leuchtpunkt der Artenvielfalt ausgezeichnet. Auf höher gelegenen Terrassen wurden Saatbeete zur Aufzucht von regionaltypischen Weinbergpflanzen angelegt, um freigestellte Flächen und Wegsäume entsprechend zu gestalten. Bei Bedarf wurde/wird regionaltypisches Saatgut an Interessenten aus der Region weitergegen.
Seit Jahren führen Vereinsmitglieder in der vegetationsarmen Zeit Entbuschungsmaßnahmen durch und setzen Jahrhunderte alte Trockenmauern instand. Sie initiieren Trockenmauerbaulehrgänge, damit das alte Handwerk wiederbelebt wird und Kenntnisse zum Erhalt von Trockenmauern weitergegeben werden. Im April 2025 eröffneten die Razejunge einen „Außerschulischen Lern- und Erlebnisort“ in der Lehmener Würzlay, den ersten in der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel. Der Außerschulische Lernort wird zur Zeit ausgebaut. Es entsteht eine ständige Trockenmauer-Lehrbaustelle für Kinder und Jugendliche. Kindgerecht soll altes Handwerk weitergegeben werden. Arbeitsplätze werden vorbereitet, mobile Unterstände zum Schutz vor Witterungseinflüssen sind bereits fertiggestellt. Geeignete Werkzeuge für Kinder sind in der Beschaffung. Im Frühjahr werden die ersten Workshops mit Schülern der Grundschule Lehmen durchgeführt. Im Rahmen des Apollo-Rettungsprojekts der Stiftung Natur und Umwelt des Landkreises Mayen-Koblenz wurden mehrfach Raupen des unter Naturschutz stehenden Schmetterlings im Razejungewingert ausgesetzt – mit vielversprechendem Erfolg.
Ab Ende Januar 2026 werden zirka 2 Hektar verbuschte ehemalige Weinbergflächen in der Lehmener Würzlay durch die Stiftung des Landkreises freigestellt, um den Lebensraum des Apollofalters zu fördern. Entsprechende Futterpflanzen des Falters werden im Februar zusätzlich von Ehrenamtlern auf ausgewählten Flächen gesetzt und in Randbereichen der freigestellten Flächen werden wärmeleibende Kräuterpflanzungen von den Razejunge vorgenommen, dem Klimawandel geschuldet. Es wäre wünschenswert, wenn Verbände und/oder Dienstleistungszentren zukunftsgerichtete durchgehende Konzepte gegen die zunehmende Verbuschung ehemaliger Weinbergflächen im Weinbaugebiet Mosel entwickeln und umsetzen. Noch bewirtschaftete Weinberge profitieren davon (Schutz vor Schädlingen und Pilzbefall), das kulturhistorische Landschaftsbild würde zum Teil erhalten und der zunehmende Tourismus in der Region, als bedeutender Wirtschaftsfaktor, auch für Winzer, profitiert davon. Ehrenamtliches Engagement und unterschiedliche Einzelprojekte können das nicht stemmen.
Kontakt:
www.lehmer-razejunge.de