
17 Dez. Ein Großprojekt, ein großes Ziel: Welterbe-Fans für Trier
Rheinland-pfälzisches Wirtschaftsministerium und EU fördern das Welterbe-Erlebniszentrum in der Steipe mit 1,4 Millionen EUR
Passender hätte eine solch große Nachricht nicht eintreffen können: Wenige Wochen vor dem Start ins Welterbe-Jubiläumsjahr 2026 überreichte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt am Rande des Tourismustages in Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Förderbescheid in Höhe von rund 1,4 Millionen EUR aus EFRE- und Landesmitteln für die Einrichtung eines Welterbe-Erlebniszentrums in der Steipe am Hauptmarkt an die Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM). Damit waren die monatelangen Vorbereitungen des Langantrags von Erfolg gekrönt.
In den historischen Räumen des Ratskellers der Steipe soll ein Ort entstehen, an dem die Vergangenheit lebendig und multimedial, interaktiv und unkompliziert erfahren werden kann – ein Ort also, der 2028 seine Türen für alle öffnet. Die Wahl des Standorts ist deshalb alles andere als ein Zufall. Denn die Steipe, 1483 aus einer Bürgerinitiative heraus errichtet, verkörpert nicht nur genau jene Zeitbrücke, die das künftige Zentrum schlagen möchte, sondern spiegelt als ehemalige Trinkstube für die Ratsbruderschaft und als mit großem Engagement aus der Bevölkerung wiedererrichtetes Gebäude nach dem 2. Weltkrieg auch einen Begegnungsort wider, an dem sich Einheimische wie Gäste gleichermaßen willkommen fühlen können.
Gleichzeitig steht die Steipe für große Wandlungsfähigkeit – genau für die neue Art der Geschichtsvermittlung, die das Welterbe-Erlebniszentrum (WEZ) anstrebt. Denn in besonderem Maße ausschlaggebend für das Wirtschaftsministerium war, am Trierer Hauptmarkt kein klassisches Museum entstehen zu lassen. Vielmehr soll das WEZ ein digitaler Erlebnisort sein, der die einzigartige Stellung Triers mit seinem UNESCO-Welterbe vermittelt und gleichzeitig Lust darauf macht, die neun Bauwerke sowie die Weltdokumentenerbe vor Ort zu erkunden. Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt betont die strategische Bedeutung des Projekts für das Land: „Mit dem Welterbe-Erlebniszentrum setzen wir ein starkes Signal für modernen Tourismus in Rheinland-Pfalz. Wir verbinden das historische Erbe mit innovativen Technologien und schaffen so einen Anziehungspunkt, der weit über die Grenzen Triers hinausstrahlt. Das ist Tourismusförderung im besten Sinne, die Tradition und Innovation miteinander verbindet.“
Das Welterbe-Erlebniszentrum setzt auf einen umfassenden Digitalisierungsansatz mit modernsten Technologien. Im Zentrum der Vermittlung stehen immersive audiovisuelle Darstellungen, bei denen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Szenen des antiken und mittelalterlichen Triers eindrucksvoll inszeniert werden. Ergänzend kommen Virtual Reality-Anwendungen zum Einsatz, interaktive Informationswände, sensorgesteuerte Projektionen, Mapping-Technologien sowie klassische Audio- und Video-Formate. Das Zentrum verbindet so die Wissensvermittlung mit einem eindrucksvollen Erlebnisraum und spricht durch seine audiovisuellen Erlebnisse Menschen aller Altersgruppen und Wissenshintergründe an.
Mit einer Gesamtfördersumme von gut 1,4 Millionen Euro, davon rund eine Millionen Euro aus EFRE- sowie rund 420.000 EUR aus Landesmitteln, und einem Gesamtvolumen von knapp zwei Millionen EUR ist das WEZ eines der größten kulturhistorischen Vermittlungsprojekte Triers der vergangenen Jahrzehnte. Kulturdezernent Markus Nöhl unterstreicht deshalb die besondere Ehre, die mit diesem Projekt für Trier verbunden ist: „Dass unser Projekt diese Wertschätzung seitens des Ministeriums erfährt und nun mit innovativen Formen der digitalen Vermittlung neue Wege beschreitet, erfüllt uns mit großem Stolz. Das Zentrum wird das Bewusstsein für unsere außergewöhnliche Geschichte stärken und zeigen, dass Trier nicht nur Vergangenheit konserviert, sondern diese aktiv in die Zukunft trägt. Wir schaffen hier einen Ort, der Bürger ebenso anspricht wie Besucher aus aller Welt.“
Für TTM-Geschäftsführer Yannick Jaeckert bedeutet die Förderzusage darüber hinaus einen Meilenstein bei der Umsetzung mehrerer, grundlegender Maßnahmen des Trierer Tourismuskonzeptes: „Das Welterbe-Erlebniszentrum wird uns entscheidend bei der Besucherlenkung helfen. Als zentrale Anlaufstelle können wir Gäste hier gezielt informieren und inspirieren, auch weniger frequentierte Stätten zu besuchen und so die Besucherströme besser zu verteilen. Besonders freut mich, dass wir damit endlich ein wetterunabhängiges, ganzjährig nutzbares Angebot schaffen, das die Nebensaison belebt und Trier auch an grauen Januar- oder Februartagen zum attraktiven Reiseziel macht. Wir schaffen so neue Impulse für Gastronomie und Einzelhandel in der Innenstadt.“
Nun liegt allerdings ein beachtliches Stück Arbeit vor dem Team der TTM. Bereits bei der Erstellung von Lang- und Kurzantrag arbeitete es als Projektleitung eng mit der Stadt Trier, der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, dem Bistum Trier, der Pfarrgemeinde Liebfrauen, der Schatzkammer Trier und der Ortsgemeinde Igel zusammen. Mit diesen Partnern werden mittelfristig Inhalte der medialen Präsentationen konzeptioniert. Nun jedoch steht zunächst die Ausschreibung einer technisch-künstlerischen Projekt- und Umsetzungsleitung auf der umfangreichen To-Do-Liste. Diese muss bis Frühjahr 2028 abgearbeitet sein: Dann soll das WEZ eröffnen. Und damit den Kreis schließen zwischen einer Bürgerinitiative des Jahres 1483 und einer Projektinitiative, die 550 Jahre später ebenfalls einen Ort der Begegnung schaffen will. Einen Ort zum ganzheitlichen Erfahren der Geschichte, bei dem man sehen, hören, lesen, staunen, tasten, entdecken, bewundern, eintauchen, mitmachen darf – um danach als Welterbe-Fan die Trierer Originale mit neuen Augen zu besuchen.