Bewerbung eingereicht: Trockenmauerbau soll immaterielles Kulturerbe in Deutschland werden

Trockenmauerbaukurs in Mehring © Walter Oeffling / DLR Mosel

Bewerbung eingereicht: Trockenmauerbau soll immaterielles Kulturerbe in Deutschland werden

Erster Schritt auf dem Weg zu einer möglichen UNESCO-Anerkennung gestartet

Ein bedeutender Schritt für den Erhalt eines jahrhundertealten Handwerks ist getan: Die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ hat gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus ganz Deutschland die Bewerbung zur Aufnahme des traditionellen Trockenmauerbaus in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) eingereicht. Die Bewerbung markiert einen wichtigen Meilenstein, denn nur wer in das nationale Verzeichnis aufgenommen wird, kann anschließend für eine Aufnahme in die UNESCO-Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgeschlagen oder Teil einer bereits bestehenden multinationalen Eintragung werden. Eine solche Eintragung besteht für den Trockenmauerbau seit 2018 – bislang ohne deutsche Beteiligung.

„Mit der Bewerbung möchten wir ein jahrhundertealtes Wissen sichtbar machen, das nicht nur unsere Kulturlandschaften prägt, sondern auch ein Schlüssel zu Nachhaltigkeit, Biodiversität und regionaler Identität ist“, sagt Simone Röhr, Geschäftsführerin der Regionalinitiative „Faszination Mosel“. „Der Trockenmauerbau verbindet Geschichte und Zukunft, Handwerk und Landschaftspflege – und ist ein gelebtes Beispiel dafür, wie immaterielles Kulturerbe unser Leben heute noch bereichert.“
Der Trockenmauerbau ist weit mehr als eine Bauweise: Er steht für handwerkliche Präzision, die über Generationen weitergegeben wurde – vom sorgfältigen Versetzen einzelner Steine ohne Mörtel bis hin zur Errichtung komplexer Mauern, die Weinberge, Wege und Dörfer strukturieren und schützen. Trockenmauern schaffen Lebensräume für Tiere und Pflanzen, regulieren Wasserhaushalt und Mikroklima und sind unverzichtbar für den Erhalt der einzigartigen Weinkulturlandschaften entlang von Mosel, Mittelrhein oder Saale-Unstrut aber auch in vielen weiteren historischen Weinregionen Deutschlands. Zugleich prägen sie als Einfriedungen, Stützmauern oder Treppenanlagen auch Dörfer, Naturparks und Flusslandschaften und sind Ausdruck handwerklicher Baukunst im öffentlichen Raum.

Die Bewerbung ist das Ergebnis eines intensiven, bundesweiten Beteiligungsprozesses. Winzer, Handwerksbetriebe, Landschaftsgärtner, Bildungseinrichtungen, Vereine, Kommunen und Denkmalpfleger haben ihr Wissen eingebracht und sich mit einer gemeinsamen Erklärung – einem „Letter of Intent“ – hinter das Projekt gestellt. Insgesamt wurden 92 Unterstützungserklärungen gesammelt. Auch der grenzüberschreitende Austausch mit Partnern aus Luxemburg, Frankreich, Österreich und der Schweiz spielt eine wichtige Rolle – ein Zeichen für die gemeinsame europäische Verantwortung für dieses Kulturerbe.

Sollte der Antrag erfolgreich sein, wird der Trockenmauerbau in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit wäre der Weg frei für den nächsten Schritt: eine mögliche Beteiligung Deutschlands an der bestehenden multinationalen UNESCO-Eintragung. Dies würde die internationale Sichtbarkeit weiter stärken und neue Impulse für Ausbildung, Landschaftspflege, Tourismus und nachhaltige Regionalentwicklung setzen. Die Entscheidung über die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis wird im Frühjahr des Jahres 2027 erwartet.

Hintergrund:
Der Trockenmauerbau ist eine jahrhundertealte Technik, bei der Natursteine ohne Mörtel präzise von Hand gesetzt werden. Trockenmauern stützen Hänge, gliedern Flächen, schützen vor Erosion und bieten wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Sie sind Teil der historischen Kulturlandschaften Deutschlands – insbesondere in Weinbaugebieten – und stehen für nachhaltiges Bauen im Einklang mit der Natur.



Faszination Mosel