
09 Apr. 1. Steillagen-Forum Wachau
Das deutschsprachige Steillagen Netzwerk war in diesem Jahr Gast in der Wachau. Der LEADER-Verein hatte mit der Winzervereinigung Vinea Wachau zu einem attraktiven Besuchsprogramm eingeladen. Höhepunkt der Veranstaltung war am 27. März 2025 das 1. Forum Steillage im Schloss Spitz. Das Interesse an diesem Steillagen Forum in Österreich war sehr groß. Mehr als 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und der Winzerschaft verfolgten die Vorträge rund um den Steillagenweinbau. Nadja Bernhard, eine Moderatorin des Österreichischen Fernsehens, führte durch das Programm. Die Herausforderungen im Steillagenweinbau wurden anhand von drei Perspektiven verdeutlicht:
Wer macht den Wein der Zukunft?
Wer trinkt den Wein der Zukunft?
Wo wächst der Wein der Zukunft?
Zur Begrüßung stimmten der Obmann der Vinea Wachau, Emmerich Knoll, und Vorstandsmitglied Hanna Hirtzberger, die Gäste auf die Thematik ein. Im Augenblick ist der Zustand der Reben auf den Terrassen in der Wachau in einem sehr guten Zustand. 1.300 ha Rebfläche werden mit viel Akribie und Herzblut von den Weinhauern und Weinhauerinnen bewirtschaftet. Grundlage für den erfolgreichen Weinbau in der einzigartigen Weinkulturlandschaft dürfte auf die Gründung der Vinea Wachau im Jahre 1983 zurückzuführen sein. Doch wie sieht die Zukunft aus? Die Differenz zwischen dem Weinbau in Flachlagen und den arbeitsintensiven Steillagen wird auch in Österreich immer größer. Das Bewusstsein für den Steillagenweinbau muss gestärkt werden. Das 1. Steillagen Forum in der Wachau soll die Herausforderungen für den Weinbau sichtbar machen und Lösungen aufzeigen.
Zu diesen Herausforderungen zählen sicherlich auch stagnierender bis rückläufiger Weinabsatz, Preisdruck und sprunghaft gestiegene Kosten. Der Erhalt der Trockensteinmauern, Fachkräftemangel, fehlende Betriebsnachfolger und gesellschaftliche Diskussionen zum Weinkonsum sind als weitere Problemfelder zu nennen und ganz allgemein der Klimawandel. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung des Steillagenweinbaus für die Weinkulturlandschaft in einer Tourismusregion. Die Gründung des Vereins Vinea Wachau erfolgte 1983 mit damals 40 Mitgliedern. Heute sind es fast zweihundert Mitglieder. Sie bewirtschaften ca. 85 % der gesamten Rebfläche in der Wachau. Die lange Tradition mit festen Statuten und dem Bekenntnis zu den Weinprofilen Steinfeder, Federspiel und Smaragd haben zu einem klaren Bild in der Welt geführt. Zur rigorosen Qualitätsoffensive kommen heute die Aspekte Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit hinzu. Die Wachau ist inzwischen als Nachhaltig Austria zertifiziert. Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen müssen sich auch die Winzer der Solidargemeinschaft Vinea Wachau mit den Perspektiven für die Zukunft beschäftigen.
Steillagenweinbau im Wandel
Steillagenweinbau im Wandel, so überschrieb Prof. Dr. Randolf Kauer, Hochschule Geisenheim, sein Referat beim 1. Steillagen Forum Wachau. Die Steillagenregionen im Weinbau sind ganz besonders stark vom Klimawandel betroffen. Von diesen Regionen sind weltweit 70 % in ihrer Existenz gefährdet. Die Aussage trifft dann zu, wenn es nicht gelingt, die globale Erderwärmung auf unter 2 °C im Durchschnitt der Jahre zu begrenzen. In vielen Szenarien werden von wissenschaftlicher Seite Klimamodelle für die Zukunft simuliert. Bisher ist es nicht gelungen, die günstigste Variante dieser Modelle mit einer globalen Erwärmung mit nur plus 1 – 1,5 °C, wie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen, auch nur annähernd zu erreichen. Schlimmste Ausmaße hätten Szenarien mit einer Erhöhung von durchschnittlich 4 °C und mehr im Jahr.
Im Weinbau ist der Klimawandel seit den 1980er Jahren spürbar. Die Jahresdurchschnittstemperatur erhöht sich kontinuierlich weiter. Es gibt mehr heiße Tage, die Vegetation verschiebt sich in Richtung früherer Austrieb, frühere Blüte, früherer Reifebeginn und frühere Lese. Neben zunehmenden Trockenphasen erhöhen sich die Gefährdungspotenziale für Schäden durch Spätfroste, Gewitter, Starkregen und Hagel. Die Trauben werden schneller reif. Sie sind Fäulnis anfälliger, erzielen höhere Zuckergehalte und niedrigere Säurewerte. Die Moste sind mikrobiologisch instabiler, haben höhere pH-Werte und können durch überreife Aromen belastet sein. Die Weine werden alkoholreicher, breiter im Geschmacksbild und erhalten andere Weinstile.
Es stellt sich die Frage, wie lange noch die Rebsorte Riesling seine schmackhaften eleganten, fruchtigen Weine hervorbringen kann. Das Pflanzmaterial mit Sorte, Klon und Unterlage wird bezüglich Klimaveränderung und Zukunftsperspektive im Weinbau eine wichtige Rolle spielen. Der Riesling mit seinen zahlreichen Klonen hat aus Sicht der Klimarelevanz eine große Bandbreite. Mit einer entsprechenden Unterlage versehen, wird sich diese Sorte auch an den traditionellen Standorten wohl noch länger auf allerhöchstem Qualitätsniveau kultivieren lassen. Kritischer sieht es für die Rebsorten mit früherer Reifezeit wie Müller-Thurgau, Gewürztraminer und Weißburgunder aus. Hier könnten allerdings die neuen pilzwiderstandsfähigen Rebsorten Abhilfe schaffen, die mit den Bedingungen des Klimawandels etwas besser zurechtzukommen scheinen. Souvignier Gris, Cabernet Blanc und Muscaris weisen höhere Toleranzen auf.
Beim Anbausystem hat die Anlage von Querterrassen aus klimatechnischer Sicht Vorteile gegenüber den Rebpflanzungen in der Falllinie. Der Querbau trägt zur Förderung der Biodiversität bei, sowohl durch die Kultur der Trockensteinmauern als auch durch artenreich begrünte Böschungen. Das Mikroklima wird im Querbau günstig beeinflusst. Damit werden die positiven Traubeninhaltsstoffe erhöht. Der Energieeintrag ist im Weinbau in der Falllinie größer.
Bezüglich der Niederschlagssummen gibt es hinsichtlich der Klimaveränderungen kaum einen Trend auszumachen. Die jährliche Summe an Niederschlägen schwankt jahrgangsbedingt. Es kommt vor, dass im Sommer Trocken- und Hitzephasen zunehmen. Niederschläge im Winter und einige Starkniederschläge gleichen das Regendefizit der trockenen Abschnitte aber aus. Die höheren Bodentemperaturen sowie die niedrigeren Luftfeuchtigkeitswerte führen jedoch zu deutlich höheren Verdunstungsraten. Wärmere Böden mineralisieren schneller und bauen gleichzeitig verstärkt Humus ab. Dies beeinflusst die Wasserbilanz negativ und stellt die Reben vielerorts vor Probleme. Hinzu kommt, dass bedingt durch die Steigung die tatsächliche Bodenfläche im Steillagenweinbau je nach Steigungsgrad erheblich größer ist als die ausgewiesene Katasterfläche. Im Steillagenweinbau wird mit einem tatsächlichen jährlichen Wasserverbrauch 450 bis 550 Liter pro m² kalkuliert. Die Wasserverfügbarkeit ist stark abhängig vom Bodenzustand, also der Bodenart, dem Humusgehalt, der Bodenmächtigkeit und dem Bewuchs. Die Steillagen sind extrem heterogen, was die nutzbare Feldkapazität im effektiven Wurzelraum der Reben betrifft.
Weinbauliche Maßnahmen müssen darauf ausgelegt sein, die Speicherfähigkeit der Weinbergsböden für Wasser zu steigern und die Wasserverdunstung möglichst erfolgreich zu reduzieren. Sehr positiv wirken sich stabile Ton-Humus-Komplexe in den Böden aus. Mit Abdeckungsmaterialien wie Stroh, Holzhächsel oder einer Begrünung lassen sich die Verdunstungsraten vermindern. Gezielte Laubarbeiten verringern die Transpiration über das Blattwerk. Eine Bewässerung der Weinberge hilft viele dieser Probleme zu lösen. Allerdings ist hierbei der Wasserbedarf mit ca. 250.000 Liter pro Hektar sehr hoch. Es stellt sich in allen Regionen die Frage, woher kommt dieses Wasser? Angesichts der weltweiten Wasser-Diskussion hat diese Frage der künstlichen Bewässerung in der Landwirtschaft längst auch gesellschaftspolitische Dimensionen erreicht.
Der Steillagenweinbau wird in verschiedenen Regionen unterschiedlich definiert. In Rheinland-Pfalz gelten schon Rebflächen ab 30 % als Steillage, obwohl sie durchaus noch im Direktzug bewirtschaftet werden könnten. Als Steilstlagen werden solche über 50 % Steigung definiert. Unter diese Kategorie fallen meist auch die auf Terrassen angelegte Weinberge, wie sie in der Wachau überall anzutreffen sind. Andere Definitionen unterscheiden Weinberge, die mit Maschinen zu bearbeiten sind und sogenannte Handarbeitssteillagen. Die Technik hat sich in den vergangenen Jahren ständig weiterentwickelt. Heute sind bereits Steilstlagen bis zu 60 % Steigung mit Raupenmechanisierungssystemen zu bewirtschaften. In der Hochschule Geisenheim wurden die Produktionskosten der einzelnen Kategorien berechnet:
Direktzug mit Spaliererziehung: 8132 €/ha
Querterrassen Spaliererziehung: 11562 €/ha
RMS/SMS Mechanisierung: 13797 €/ha
Handarbeitssteillagen: 20293 €/ha
Allein diese Ausstellung zeigt, wie schwer es ist und zukünftig sein wird, den Steillagenweinbau ökonomisch erfolgreich betreiben zu können. In Regionen wie am Mittelrhein und an der Mosel sind deutliche Rückgänge bei den Weinbauflächen zu verzeichnen. Der Mittelrhein verfügt derzeit noch über 103 weinbautreibende Betriebe mit einer Flächengröße von durchschnittlich 4,1 ha. Es ist mittlerweile das kleinste der deutschen Weinbauanbaugebiete.
Steillagenregion Ludwigsburg
Steffi Kahleyß berichtete über den Steillagenweinbau an Neckar und Enz in Württemberg. Sie ist in der Region Ludwigsburg als Steillagenbeauftragte tätig. Von den 103.000 ha Rebflächen in Deutschland liegen 14.000 ha in Steillagen, davon 2.500 ha in Württemberg. 305 ha sind an Neckar und Enz sogenannte Handarbeitssteillagen auf Terrassen mit Trockensteinmauern angelegt. Dieser Terrassenweinbau bildet eine einzigartige Weinkulturlandschaft und hat außerdem eine große Bedeutung für den Weintourismus in der Region. Die Weinvermarktung in Württemberg ist genossenschaftlich geprägt. Im Jahre 2015 wurde im Terrassenweinbaugebiet ein integriertes ländliches Entwicklungsprogramm mit einem Regionalmanagement installiert. Seit 2022 gibt es die Stelle der Steillagenbeauftragten.
Das Ziel dieser Aktivitäten ist es, das kulturelle Erbe zu wahren und die Weinkulturlandschaft an Neckar und Enz zu erhalten. Ansatzpunkte sind hierfür eine Verbesserung der Weinvermarktung aus Steillagen und die emotionale Aufladung und Nutzung des Weintourismus. Diskutiert werden auch alternative Nutzungen auf den Terrassen. Mit dem integrierten Entwicklungsprogramm konnten von 2018 bis 2022 insgesamt 450.000 € an Fördergeldern genutzt werden. So wurde ein Förderprojekt für Mauerbau und Mauersanierung aufgelegt. Die Freistellung von ehemaligen Weinbergsflächen wird ebenfalls unterstützt. Über ein Steillagen Kollektiv im Lembergerland sollen Weinbau und Weinabsatz forciert werden. Mit einem Rotwein Sondercuvée aus Lemberger mit international bekannten Sorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah sollen auch preislich neue Wege im Superpremiumsegment eingeschlagen werden. Den Touristen und weininteressierten Gästen werden geführte Weinwanderungen und weitere Events angeboten. Eine Steillagen App sowie eine attraktive Homepage unter dem Motto „Echt-Schön-Schräg“ unterstützen die Kommunikation. Für die Möglichkeiten einer alternativen Nutzung wurde ein Merkblatt herausgegeben. Oliven und Feigen stehen hierbei im Fokus. Doch wie überall in den Steillagengebieten ist es das wichtigste Ziel, eine weitere Bewirtschaftung der Weinberge zu erreichen.
Steillagenwein für 150 € die Flasche
Willi Klinger, Marketingexperte aus der Wachau, befasste sich mit den Herausforderungen und Chancen beim Weinabsatz in einem schrumpfenden Markt. Er berichtete von den Marketingkonferenzen auf der ProWein mit den Schwerpunkten alkoholfreie bzw. alkoholreduzierte Alternativen zum Wein. Die Rückgänge im Weinkonsum, die explosionsartig steigenden Kosten, fehlende Arbeitskräfte und die Herausforderungen durch den Klimawandel machen der Branche schwer zu schaffen. In den Kernländern der Weinproduktion Italien, Frankreich und Spanien ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark zurückgegangen. Die Produktion von Wein wurde in diesen Ländern aber, wenn überhaupt, nur wenig eingeschränkt. Eine weltweite Überproduktion belastet die Preise und verstärkt den Kampf um Marktanteile. Betroffen von diesen Problemen ist natürlich auch und ganz besonders der Steillagenweinbau. Düster sind die Prognosen, die von wissenschaftlicher Seite beispielsweise der Hochschule Geisenheim, für den Weinbau in den Steillagen von Rhein und Mosel gestellt werden.
Das Ziel muss es sein, den Wein aus den Steillagen in allerbester Qualität zu hohen Preisen zu vermarkten. Dazu ist es notwendig, die entsprechenden Kunden anzusprechen und zu überzeugen. Möglich ist das allemal, wie zahlreiche Beispiele aus der Weinwelt zeigen. Internationale Marketingexperten empfehlen als Ansatz: brand – brand – brand. Steillagenwein also als hochwertige Marke im Superpremiumsegment zu platzieren. Es stellt sich die Frage, wer und wo sind die Kunden für diese Strategie?
Die Menschen der Generation Z sind mit Social Media groß geworden. Sie werden mit Charaktereigenschaften wie sicherheitsbewusst, erfolgsorientiert, eher sensibel, vorsichtig und ängstlich, gesundheits- und umweltbewusst beschrieben. Kaufentscheidungen werden vorwiegend online getätigt. Wein wird als Slowfood-Produkt angesehen und oft auch online gekauft. Der Höhepunkt des Online-Shopping scheint jedoch überschritten zu sein. Die Generation Z ist grundsätzlich offen für neue Konzepte. Die Menschen wollen etwas erleben und sind Reisefreudig. Es darf aber nicht zu kompliziert werden. Gute Storys helfen beim Weinverkauf. Für die Weinvermarkter heißt das, sie müssen die jungen Leute abholen und an den Weingenuss heranführen.
Gerade die Steilllagenwinzer müssen eine Nachfrage nach wertigen und hochpreisigen Weinen schaffen. Das Weingut als Marke, das Weinbaugebiet als Marke und das komplette Weinbauland als Marke sollte positiv in den Köpfen der Konsumenten verankert werden. Den Spitzenwein eines Weingutes mit 150 € pro Flasche zu vermarkten, darf keine Utopie sein. Als Beispiel nannte der Referent den Wein G-Max vom Weingut Keller, der mit 2000 € Wertschöpfung im großen Stil generiert. Das gesamte Gebiet als erfolgreiche Marke zu platzieren muss gemeinsam angegangen werden. Das schafft kein einzelnes Unternehmen.
Weintourismus in der Steiermark
Den Weintourismus nahm Tamara Kögl aus der Steiermark unter die Lupe. Sie betreibt in der Südsteiermark ein 11 ha großes Weingut mit Buschenschänke und Winzerzimmer. Dafür wurde ein 300 Jahre altes Winzerhaus umgebaut. Die Saison verläuft von März bis Ende Oktober. Der Dreiklang von Wein – Kulinarik – Beherbergung funktioniert hervorragend. Den Gästen kann vor Ort direkt gezeigt werden, was es bedeutet, Wein in den Steillagen zu produzieren. Jedes Unternehmen im Weintourismus sollte seine Stärken erkennen, die Aufgabe der Gästebetreuung Wert schätzen und sich stetig fragen, wo stehen wir und was könnten wir noch besser machen. Es kommt darauf an, dass die Dienstleister und Akteure in der Region zusammenstehen, gegenseitige Empfehlungen aussprechen und nicht aufeinander schimpfen. Die Gäste spüren, ob sie in einer Region willkommen sind. Es steckt viel Potenzial im Weintourismus. Es kommt darauf an, eine emotionale Verbundenheit mit den Gästen zu schaffen. Dann gelingt es auch, Wertschöpfung zu erreichen und die Preise zu steigern. Bei den Winzerzimmern suchen die Gäste eine Wohlfühlatmosphäre. Sie wollen mindestens genauso gut wohnen, wie zu Hause. Die potenziellen Gäste verfügen über genügend Geld und sind auch bereit, es auszugeben. In der direkten Betreuung der Gäste können die Vermieter der Winzerzimmer meist gegenüber den Hotelbetreibern mit individuellerem Service punkten. Die Gäste wollen gut unterhalten werden, wichtig sind auch die Angebote für Kinder. Zufriedene Gäste sind die besten Werbeträger in der Mund-zu-Mund-Propaganda.
Der Buschenschank ist von März bis Ende Oktober geöffnet. Das größte Problem ist dabei, genügend Mitarbeiter/innen zu finden. Der Buschenschank ist durchweg sehr gut besucht. Das Achtel Wein wird mit Preisen zwischen 3,50 und 8 € angeboten. Auch beim Betrieb eines Buschenschankes kommt es darauf an, den eigenen Wert zu kennen und seine Angebote optimal zu kalkulieren. Es ist nicht ratsam, sich und die eigenen Familienmitglieder aus der Kostenberechnung herauszuhalten. Eine ehrliche Kalkulation mit guten selbstbewussten Preisen trägt letztendlich zum Erfolg eines Buschenschankes bei.
Eine Wein- und Ferienregion ist nur so stark, wie sich darstellt und wie die Akteure zusammenhalten. Immer wieder sollte die Frage gestellt werden, was können wir denn sonst noch tun? Wo liegen die Alleinstellungsmerkmale? In der Kommunikation kommt es auch auf Details an, was ist besonders an unseren Angeboten. Weinwirtschaft und Tourismusbranche sollten optimal zusammenarbeiten. Sie können Wertschöpfung generieren und zu einem hohen Selbstwertgefühl beitragen.
Beim Vortrag von Klaus Haslinger, Geosphere Austria, wie Steillagenweinbau im Wandel des Klimas funktionieren kann, wurden im Großen und Ganzen die Aussagen von Prof. Dr. Randolf Kauer wiederholt. Als Fazit bleibt festzuhalten: Der Klimawandel stellt den Steillagenweinbau vor große Herausforderungen. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, Klimaschutzmaßnahmen im Sinne des Pariser Abkommens zu ergreifen, um die durchschnittliche Temperaturerhöhung global unter 1,5 °C im Jahr zu erhalten.
Kurzbeiträge aus den Partnerregionen
Mit Kurzbeiträgen aus den Partner-Regionen des Steillagen Netzwerks wurde das 1. Forum Steillage in der Wachau abgerundet.
Nico Melchior stellte die LEADER Region Mittelrhein vor und verwies auf die guten Beziehungen zur Welterberegion Wachau. Seit 2002 ist das Obere Mittelrheintal wie auch die Wachau UNESCO Welterbe. Die Winzer am Mittelrhein haben mit ihrer Mittelrhein Riesling Charta von den Erfahrungen der Vinea Wachau profitiert. Umgekehrt konnten die Wachauer zahlreiche Tipps von den Konzepten der Wanderwege Rhein-Steig und Rheinburgen-Wanderweg mit nach Österreich nehmen. Der Mittelrhein punktet nach wie vor von den zahlreichen Burgen und Schlössern, dem Flair der Städte und Dörfer sowie von dem Rhein als Verkehrsader im Herzen Europas. Auch am Mittelrhein wandelt sich die Kulturlandschaft. Die Weinkulturlandschaft weist viele Hotspots der Biodiversität auf. Es gibt zahlreiche Maßnahmen, das vielfältige Landschaftsmosaik zu erhalten: Brachflächenmanagement, Offenhaltung der Landschaft durch die Beweidung mit Ziegen und Schafen. Mauerbaukurse und Vermarktungsinitiativen für Mittelrhein-Weine. In jedem Jahr wird ein Mittelrhein Welterbewein gekürt und mit einem Künstleretikett versehen, hochwertig vermarktet.
Der Präsident des Luxemburger Winzerverband, Marc Weyer, berichtete von der guten Zusammenarbeit mit den Winzern und Touristikern der deutschen und französischen Mosel. Mit der Organisation Terroir Moselle und Projekten wie via Mosel gelingt es, den Weintourismus in der Großregion zu fördern. Mit der Verbindung Wein und Architektur ist ein attraktives Angebot entstanden, dass viele Gäste in die Region lockt. Alle Akteure profitieren von einem intensiven Erfahrungsaustausch und vom Wissenstransfer über die Grenzen hinweg. Luxemburger Winzer bewirtschaften etwas mehr als 1200 ha Rebfläche, die meist mit den Rebsorten Riesling, Elbling, Rivaner sowie weißen Burgundersorten bepflanzt sind. Rund 30 % der Ernte wird als Cremant-Sektspezialität vermarktet. Sorgen bereiten auch hier, der Klimawandel, Bürokratie und der fehlende Nachwuchs sowie der Fachkräftemangel. Die LAG Miselerland ist jedoch gut in der Region verankert und entwickelt Konzepte die Region hochwertig zu positionieren.
Roman Horvadt erläuterte die Erfolgsstory der Domäne Wachau. Mit vielen kleinen Schritten steigert sich das Renommee des Zusammenschlusses von 200 Weinbauern, die zusammen 400 ha Rebfläche, davon 160 ha im Bioanbau auf fast 2500 Parzellen bewirtschaften. Den Begriff Winzergenossenschaft hört er im Zusammenhang mit der Domäne Wachau nicht gerne. Er spricht lieber von einem bedeutenden Weingut in der Wachau. Jeder Weinbauer pflegt seine Reben auf ein bis zwei Hektar mit viel Herz und Leidenschaft. So wird ein Traubengut gewonnen, mit dem sich ausgezeichnete Weine, vorwiegend der drei Kategorien Steinfeder, Federspiel sowie Smargard herstellen und vermarkten lassen. Beim Weinan- und –ausbau geht es vor allem um Wertschöpfung. Die Traubengelder richten sich auch nach der Bewirtschaftungsform. Trauben aus Steillagen und den Parzellen des Bioanbaus werden entsprechend entlohnt. Die Winzer erhalten das gesamte Jahr über Informationen und Schulungen durch Fachexperten. Der Traubenwickler wird mit Hilfe von Pheromonen bekämpft. Auf den Einsatz von Herbiziden wird verzichtet. Versuche mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten sind gestartet. Nachhaltigkeit wird ganz groß geschrieben. So ist die Domäne Wachau auch Nachhaltig zertifiziert.
Simone Röhr stellte die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ vor. Das Ziel hierbei ist es, die Menschen zu bewegen, um die Natur zu bewahren und Kultur zu leben. Das Netzwerk beruht auf sechs Säulen Wein, Tourismus, Genuss und Kultur, regionale Produkte, Natur und Landschaft sowie Welterbe-Anstrengungen. Mit umfangreichen Maßnahmen und Projekten wird in allen diesen Säulen gearbeitet. Als Beispiele werden aufgezählt: Woche der Artenvielfalt an der Mosel, Ausbildung zum Naturerlebnisbegleiter, 100 Lebenstürme für die Mosel, Pflanzaktionen Roter Moselweinbergpfirsich, Baukultur Via mosel`, Längste Musikmeile Deutschlands, Kunst am Fluss, Kulturveranstaltungen wie Moselmusikfestival, Brennertage – die Mosel brennt, Trockenmauerbau-Kurse, Mosel-Genussmarkt. Dazu kommen regelmäßige Newsletter, Social Media-Kampagnen, die #moselhelden, die jährlichen Moselkongresse und Zukunftsthemen wie Mosel grenzenlos, Mosel erblüht und Gutes Leben an der Mosel.
Biowinzer Otto Knaus referierte kurz über das vielfältige Leben im Weinberg. Eine artenreiche Begrünung bildet die Grundlage für einen vielseitigen Lebensraum in den Weinbergen und seinen Saumstrukturen. Wildkräuter beleben die artenreichen Begrünungen. Das schafft geeignete Biotope für Insekten, Reptilien, Schmetterlinge und ein aktives Bodenleben. Diese Lebensräume gilt es zu schützen und zu gestalten. Biologen bonitieren die Artenvielfalt in den Weinbergen, denn die Wahrheit steckt im Detail. Die Begrünungen werden vor allem gewalzt oder erst spät jede zweite Gasse gemäht. Es werden Führungen durch die Weinberge angeboten, um allen Interessierten diese Welt der Artenvielfalt zu zeigen.
Gilbert Laquai bewirtschaftet mit seiner Familie ein 23 ha großes Weingut am Rhein in Lorch, Rheingau. 90 % der Flächen befinden sich in Vogelschutzgebieten und in Flora-Fauna-Habitat-Gebieten. Sie unterliegen dem Schutzstatus der Natura 2000-Vorgaben. Weinbau und Naturschutz sind kein Gegensatz. Im Gegenteil, mit entsprechenden Maßnahmen lassen sich beide Ziele, die Umwelt mit Natur und Landschaft zu schützen und gleichzeitig auf den Flächen hervorragende Weine zu produzieren gewinnbringend in Einklang bringen. Laquai war und ist Vorreiter in Sachen Querterrassenweinbau am Rhein. Das Saatgut für die Einsaat in den Böschungen wird selbst gewonnen. Die Böschungen bieten mit ihrer artenreichen Begrünung ein Eldorado für Pflanzen und Tiere. Vögel erhalten auf den Flächen Nisthilfen. Die Einbringung von Trester und Kompost fördert den Aufbau des Ton-Humus-Komplexes im Boden.
Ein Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften wurde mit dem Bau einer neuen Kelleranlage gesetzt. Energiemanagement wird großgeschrieben. PV auf den Dächern, eigenes Holz für die Wärmenutzung und schonende Traubenannahme und Verarbeitung begünstigen die Ökobilanz im Weingut. Bei den Weinflaschen wurde auf Leichtglas umgestellt. Schließlich tragen Weinflaschen zum größten Teil zur CO2-Belastung eines Weingutes bei. 35 % Rücklaufquote werden bei der Weinvermarktung erreicht. Tage der offenen Tür und Hoffeste locken die Kunden ins Weingut. Zahlreiche großartige Bilder von Flora und Fauna in den Weinbergen von Gilbert Laquai und seinen Söhnen rundeten diesen Kurzvortrag beim 1. Forum Steillage in der Wachau ab.
Text: Gerd Knebel