Das Weinland Wachau ist eine Reise wert

© Gerd Knebel

Das Weinland Wachau ist eine Reise wert

Im Rahmen des Steillagen Netzwerk-Treffen vom 26. bis 28. März 2025 in der Wachau hatten Michael Wagner, Leader-Region Wachau-Dunkelsteinerwald, und sein Team mit Ingeborg Hödl und Monika Wimmer  ein attraktives Besuchsprogramm organisiert. Gleich zu Beginn wartete ein echter Knüller auf die Teilnehmer. Nachdem im Vorjahr bei dem Treffen an der Mosel der Calmont zwischen Bremm und Eller als Steillagen-Highlight präsentiert wurde, lockten die Vertreter der Wachau mit dem Weinbau Rekultivierungsprojekt Atzberg. Thomas Machthörndl, Verlagsleiter aus Wien und begeisterter Hobbywinzer, hat sich auf den Weinbergsterrassen der Wachau um Spitz einen Lebenstraum verwirklicht. Er ist mit Herz und Seele dabei, alte Reben in der Spitzenlage Atzberg zu pflegen und viele neue zu pflanzen. Auf zahlreichen Kleinterrassen entsteht nun ein Weinbergsareal, wie es spektakulärer kaum sein könnte. Die Besichtigung dieser Steil-Terrassen über zahlreiche Trockenmauern und schmale Mauertreppen forderte die Konzentration der Besucher aufs Höchste. Ein Fehltritt hätte fatale Folgen haben können. Einmal mehr zeigte sich die Weinbergsterrassenlandschaft im Atzberg auf den Spuren der Smaragdeidechse als Hotspot der Biodiversität mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Bepflanzt ist und wird der Atzberg von Thomas Machthörndl mit den typisch Wachauer Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling. Installiert ist ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, mit dem der Winzer bis zu 15 x Jahr Wassergaben von je 15 Liter pro Rebe einsetzen darf. Über 2 Hektar stehen derzeit für den Weinanbau zu Verfügung, 5 Hektar sollen es in den nächsten 10 Jahren noch werden. Geplant ist der Bau von zwei Monorack-Bahnen, um wenigstens die Transportarbeiten in die Terrassenlandschaft zu vereinfachen. Bisher hat der Hobbywinzer auch schon mal einen Hubschrauber einsetzen lassen, um Pfähle und Material in den Atzberg zu bringen. Der Pflanzenschutz wird per Rückenspritzen erledigt. Rebschnitt, Biegen, Laubarbeiten und Lese erfordern konzentrierte Handarbeit. Meist sind die schmalen Terrassen nur mit zwei Querreihen in Spaliererziehung angelegt. Mit Hagelschutznetzen wird nicht nur gegen Starkregen und Unwetterbilden vorgebeugt. Sie dienen auch dem Schutz vor Wildverbiss und Vogelfraß. Außerdem tragen sie zur Verringerung der Sonneneinstrahlung auf die empfindlichen Sommertriebe in den heißen und trockenen Sommermonaten bei. Das große Geld verdienen wird Thomas Machthörndl mit seinen Trauben im Atzberg wohl nicht. Gekeltert und ausgebaut wird der Wein, meist in der Güteklasse Smaragd vom Weingut Franz Hirtzberger. Damit hat sich der Natur- und Weinenthusiast einen Top-Winzer ins Boot geholt.

Ein Spitzenweingut mit internationaler Ausstrahlung in der Wachau ist zweifellos Franz Hirtzberger in Spitz. Vater und Sohn, beide mit Vornamen Franz, vermarkten Weine von rund 30 ha Rebfläche aus den besten Lagen, beziehungsweise Rieden der Wachau. Senior Franz war mit Josef Lamek Mitinitiator und Gründer der Vinea Wachau. Die Vinea Wachau (Vinea Wachau Nobilis Districtus) wurde im Jahr 1983 als Vereinigung der Wachauer Winzer gegründet. Die Beschränkung, ausschließlich Weine aus ihrem gesetzlich abgegrenzten Anbaugebiet zu keltern und das kompromisslose Bekenntnis zu Qualität, Ursprung und Reinheit sind oberstes Prinzip. Für die Vinea Wachau ist Wein ein absolut naturbelassens Produkt, das für sein Ursprungsgebiet steht und dessen Eigenarten in sich vereint. Der Codex Wachau heißt: klares Bekenntnis zu naturbelassener Weinproduktion und strengster Selbstkontrolle in den Kategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd.

Im Jahre 2021 hat das Weingut Hirtzberger eine moderne neue Kelleranlage in Spitz gebaut. Ein Kelterhaus mit vier Pressen für die Aufnahme und Verarbeitung der Trauben. So können früh individuell die Partien der zahlreichen Herkünfte des Betriebes getrennt werden. Edelstahl soweit das Auge reicht glänzt im neuen Keller. Ausreichend Platz für effizientes Arbeiten und optimale Möglichkeiten für einen schonenden Weißweinausbau mit Kühleinrichtungen gewährleisten eine Produktion erstklassischer Weine der drei Weinstile Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Drei Weinstile von Weltruf, die das einzigartige Geschmacksprofil und die Vielfalt der Wachau abbilden. Sie geben klare Orientierung anhand der Reife und Komplexität der Weine. Steinfeder: Attribute duftig und leicht. Weine mit der Bezeichnung Steinfeder bereiten frischen, puren Trinkgenuss mit bis zu 11,5% Vol. Ihr Name leitet sich vom Steinfeder-Gras ab, das in den felsigen Steilterrassen der Wachau wächst. Es ist federleicht – wie die Weine auch.

Federspiel: Nuancenreich und charakterstark. Federspiel-Weine zeigen alle Facetten ihrer besonderen Herkunft. Stets in der Balance zwischen Eleganz und Tiefe sind sie vielseitig einsetzbar und mit bis zu 12,5% Vol. ideale Speisenbegleiter. Die Bezeichnung geht auf die Falkenjagd zurück: mit dem „Federspiel“ wurden die Falken zurückgeholt.

Smaragd: Komplex und langlebig. Die Trauben für Smaragd-Weine bleiben länger am Rebstock. Sie sind somit Grundlage für besonders vielschichtige, strukturierte und kräftigere Weine ohne Holzeinfluss ab 12,5% Vol. Die landschaftsprägenden Trockensteinmauern der Wachau sind Lebensraum ihres Namensgebers, der prächtigen Smaragd-Eidechse.

Franz Hirtzberger betont, die Qualität der Weine wird vor allem im Weinberg erzeugt. Im Keller gibt es kaum Anlass, an weiteren Stellschrauben zu drehen. Eine umfangreiche Verkostung mit Kellerproben frisch aus den Tanks untermauerte den hohen Qualitätsanspruch des Weingutes. Richtungsweisend hinsichtlich der Nachhaltigkeit und der Wertschöpfung des Steillagenweinbaus ist die Preispositionierung bei den Hirtzbergers. 18 € für den Einstiegswein Steinfeder, ab 25 € kosten die Federspielweine  und respektable 94 € erzielen die Weine der Spitzen-Kategorie Smaragd.

60 % Grüner Veltliner, 30 % Riesling, dazu Chardonnay, Muskateller dominieren im Rebsortenspiegel. Durch die selektive Lese von vollreifem und gesundem Lesegut in begrenzten Ertragsmengen wird das Qualitätsniveau hoch gehalten. Maischestandzeit, intensive Vorklärung, teilweise Spontangärung, aber meist mit dem Einsatz geeigneter Kellerhefen sind die kellerwirtschaftlichen Maßnahmen aufgezählt. Hinzu kommen Feinhefelagerung und der Einsatz von Kieselgurfilter und EK-Filtration zur Abfüllung. Steinfeder- und Federspielweine werden zeitig im Frühjahr gefüllt, nicht zuletzt um die Nachfrage zu decken. Smaragdweine erfordern eine längere Reifezeit. Sie dürfen nicht vor Mai des auf die Ernte folgenden Jahres auf die Flasche und in den Verkauf. Zum Abschluss der Probe bewiesen einige Schatzkammerweine das großartige Alterungspotenzial der Wachau-Spezialitäten.

Kontaktdaten: Weingut Franz Hirtzberger, Kremser Straße 8, A-3620 Spitz, Internet: www.hirtzberger.at.

In der Domäne Wachau, in den Weinbergen knapp außerhalb von Dürnstein gelegen, begrüßte Betriebsleiter Ramon Horvadt die Netzwerk-Teilnehmer. Er meidet den Begriff Winzergenossenschaft und spricht lieber von einem bedeutenden Weingut in der Wachau. Rund 200 Weinhauer, so wie die Winzer hier bezeichnet werden, bearbeiten 400 ha Rebfläche. Die Domäne mit 140 ha ist das Weingut der größten Bioweinbaufläche in der Wachau. Jeder Weinhauer konzentriert sich auf die individuelle Bearbeitung der Reben auf seiner eigenen Fläche. Dies sieht Weingutsleiter Horvadt als großen Vorteil gegenüber dem Einsatz vieler Saisonarbeitskräfte auf den größeren Weingütern an.

Die Kellerführung sowie die anschließende Verkostung in der attraktiven Vinothek leitete die Sommeliere der Domäne Anja Hofer. Beeindruckend ist der 300 Jahre alte Naturkeller mit 2 Kilometer Länge und einer mehr als ausreichenden Lagerkapazität. Neben Roman Horvadt prägt der Oenologe Heinz Frischengruber die Geschicke der Domäne. Ein Team von 46 Personen unterstützt in Keller, Verwaltung und Verkauf das Führungsduo. Jahr für Jahr werden ca. 3 Millionen Flaschen, vorwiegend der Kategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd produziert. In der Schatzkammer lagern im Raritäten-Archiv Weine bis zum Jahrgang 1947. 70 % Grüner Veltliner und 20 % Riesling dominieren das Angebot der Domäne. Eine sechsteilige Probe überzeugte die Netzwerk-Teilnehmer durch moderne elegante Weißweine von hohem Niveau.

Die Lieferanten der Trauben im Bioanbau erhalten in den ersten fünf Jahren einen Zuschlag von 50 % auf das „normale“ Traubengeld, danach 30 %. Normal bedeutet in diesem Falle 1,50 bis 6 € pro Kilogramm Trauben. Je 50 % vermarktet die Domäne Wachau in Österreich, auch im Lebensmittelhandel, allerdings im höheren Preissegment. Exportiert werden 50 % in die Benelux-Länder, nach Skandinavien und Deutschland. Ein Teil geht auch nach Übersee, hier werden Rückgänge nach den aktuell anstehenden Zollproblemen befürchtet.

Kontaktdaten: Domäne Wachau, A-3601 Dürnstein 107, Internet: www.domaene-wachau.at.

Am Abreisetag stand noch der Besuch im Familienunternehmen Muthenthaler auf dem Programm der Steillagen Netzwerk-Tagung in der Wachau. Romana und Stefan Muthenthaler stehen für die Kunst der Vielfalt. Weinbau, Obstbau, Imkerei, Brennerei, Ab-Hof-Verkauf und Ferienwohnung, die Familie bietet an Produkten so ziemlich alles an, was für die Wachau steht und was sie so auszeichnet und attraktiv macht. Das Sortiment umfasst Edelbrände, Liköre, Marmeladen, Chutneys, Röster, Senf, Kräutersalz, Nektar, Säfte, Honig und selbstverständlich Wein, Sekt und Perlweine. Stefan Muthenthaler stammt aus Württemberg und war ursprünglich Forstwirt. Später hat er eine Ausbildung zum Obst- und Weinbauer absolviert. Mit seiner Frau Romana hat er nun das vielseitige Unternehmen in Schwallenbach in der Nähe von Spitz aufgebaut. Vor 12 Jahren nannten die Muthenthalers lediglich je 1,8 ha Weinberge und einige Marillenbäume ihr Eigen. Heute sind es je 4 ha Weinbau und 4 ha Marillen. Die Wachau steht neben dem Weinbau natürlich auch für den Marillenanbau. Jährlich lockt vor allem die Marillenblüte im April viele Touristen in eine der schönsten Regionen Österreichs. Der Anbau der Trauben und der Marillen erfolgt auf vielen kleinen Parzellen. Die Erträge liegen bei der Marille zwischen 6 und 10 Tonnen pro Hektar. 14 verschiedene Sorten werden kultiviert, meist in Spaliererziehung. Der Arbeitsaufwand mit einem speziellen Schnitt, einem intensiven Pflanzenschutz und der Ernte ist nicht zu unterschätzen. Die Kunden sind auch beim Kauf der Marillenprodukte sehr anspruchsvoll. Die Früchte müssen eine gewisse Größe erreichen, dürfen keine Flecken haben und vor allem eine deutliche rote Farbe aufweisen. Es werden Preise zwischen 6 und 8 € für das Kilo Marillen gezahlt. Die Marille ist ohne Zweifel der Star unter den Wachauer Obstsorten. Es gibt aber auch anderes Obst und mit der Asperl-Frucht haben die Muthenthalers ein altes Kernobstgewächs in Anbau. Bei Asperl oder Mispel handelt es sich um Wildobststräucher. Ihre Frucht hat eine hohe Konzentration an Vitamin C. Sie wird erst spät im Herbst nach den ersten Frösten weich und kann dann zu Edelbränden oder Marmelade, Gelee verarbeitet werden.

In den Weinbergen baut Stefan Muthenthaler neben den Wachauer Klassikern für Steinfeder, Federspiel und Smaragd auch Chardonnay, Neuburger, Weißburgunder auch die pilzwiderstandsfähige Sorte Donauriesling an. Ein Zweigelt Rotwein sowie ein Grüner Veltliner Sekt brut und ein Frizzante Rosé ergänzen die Weinliste dazu edle Brände, Liköre, Natursäfte und über 20 Marmelade-Varianten. Blütenhonig, Blütencremehonig, Blüten mit Wald Honig und Wald Honig runden die Kunst der Vielfalt im Muthenthaler Unternehmen ab. Sie sind die Experten für alles Fruchtige, wie sie selbst sagen. In ihrem Hofladen stehen sie auch außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten für Verkostungen, Beratungen und den Verkauf zu Verfügung.
Die Kontaktdaten: Familie Muthenthaler, Am Schwallenbach 50, A-3620 Spitz, Internet: muthenthaler-wachau.at.

Text: Gerd Knebel



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