
03 Mai LEADER-Steillagen-Netzwerk vom 17.-19. April 2024 zum Thema „Weintourismus im Wandel“
Unter dem Motto „Tradition trifft Trend: Weintourismus im Wandel“ trafen sich die Akteure des im Jahre 2023 gegründeten LEADER-Steillagen-Netzwerks vom 17. bis 19. April 2024 an der Mosel. Das zweite Treffen des Netzwerks begann mit einem Empfang im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues. Dienststellenleiter Norbert Müller begrüßte die Teilnehmer aus den deutschsprachigen LEADER-Regionen mit Steillangenweinbau, unter anderem vom Mittelrhein, dem Rheingau, Württemberg und der Wachau. Im Terroir-Raum stellte Müller die Dienststelle sowie die Aufgabenbereiche der 220 Mitarbeiter vor. Fünf Arbeitsbereiche umfassen die Tätigkeiten: Ländliche Entwicklung – Bodenordnung, Investitionsförderung, Prüfdienst Agrar, Weinbau und Oenologie sowie Steillagenforschung.
Die rheinland-pfälzische Agrarverwaltung beruhe auf dem Dreiklang Ausbildung, Beratung und Versuchswesen, führte der Dienststellenleiter aus. Das DLR verstehe sich als Dienstleister für Landwirtschaft und Weinbau. Beispielsweise seien in den vergangenen Jahren wissenschaftsbasierte Daten zum Thema Biodiversität im Steillagenweinbau zusammen mit dem Julius-Kühn-Institut (JKI) erforscht worden. In dieser Studie konnte nachgewiesen werden, dass dank der Bewirtschaftung der Weinberge die Artenvielfalt weitaus höher ist als in den Flächen, in denen der Weinbau aufgegeben und die der Sukzession ausgeliefert worden seien. Derzeitige Projekte des DLR zielten auf die Bewässerung der Steillagenweinberge, Hochwasserschutzmaßnahmen, den Einsatz von Drohnen zum Rebschutz und künstlicher Intelligenz im Bereich des Rebschnitts, der optischen Traubensortierung, der Digitalisierung unter dem Motto smarter Weinberg und vieles andere mehr.
Das auch im Bereich der LEADER Aktivitäten wichtige und sehr erfolgreiche Projekt „Lebendige Moselweinberge“ stellte Martina Engelmann-Hermen vom DLR Mosel vor. Seit 2013 werde hierbei die Weinkulturlandschaft Mosel aus ökologischer Sicht in Szene gesetzt. Dabei gehe es um den besonderen Schutz und die Förderung der Verantwortungsarten der Region, wie Mauereidechse, Apollofalter, Zippammer und Ödlandschrecke, aber auch viele Pflanzen, die in der Weinkulturlandschaft Mosel vorkämen. Das DLR biete Kurse zur Ausbildung von Naturerlebnisbegleitern an. Über 220 Personen hätten in den vergangenen 10 Jahren diese Weiterbildung abgeschlossen und agierten heute als Botschafter in der Region mit speziellen Führungen und Vorträgen, um sowohl Einheimischen als auch Gästen Naturerlebnisse in der Weinkulturlandschaft Mosel näher zu bringen. Ein Kurs zum Naturerlebnisbegleiter umfasse 28 Unterrichtseinheiten, derzeit auch als Onlineschulung, 14 Exkursionen und drei Workshops und ende mit einer Prüfung in Form einer geführten Wanderung oder der Ausarbeitung von speziellen Projekten, wie der Gestaltung von Themenwegen und der Aufwertung von Flächen zur Förderung der Biodiversität in der Landschaft. Die Naturerlebnisbegleiter haben inzwischen 21 sogenannte Leuchtpunkte der Artenvielfalt an der gesamten Mosel ausgewählt. In Zusammenarbeit mit der Landjugend und dem Bauern- und Winzerverband konnten über 120 Lebenstürme für Flora und Fauna an der Mosel errichtet werden. Des Weiteren werde im Mai eine Woche der Artenvielfalt unter dem Motto „Artenvielfalt rockt die Mosel“ durchgeführt.
Praktischen Anschauungsunterricht bekamen die Teilnehmer der LEADER-Steillagen-Netzwerk-Tagung dann bei einer Exkursion zu dem Leuchtpunkt „Wolfer Goldgrube“. Torben Alles vom DLR erläuterte das Bodenordnungsverfahren zur Bewahrung des Weinbaus durch die Anlage von Querterrassen. Die Naturerlebnisbegleiterinnen vor Ort, Marion Sausen und Andrea Weyel führten die Gruppe durch die „Wolfer Goldgrube“ und stellten die Highlights wie Trockenmauern, artenreiche Böschungen, Lebensturm, Steinriegel und Saumstrukturen vor.
Die Tagung mit umfangreichen Vorträgen und Workshops fand am nächsten Tag im Calmont-Forum in Bremm statt. Philipp Goßler, Geschäftsführer der LAG Mosel, hatte mit Unterstützung von Sara Haussmann und Anna Ellert das Treffen an der Mittelmosel organisiert. Er führte in die Thematik der Tagung ein und moderierte mit Sara Haussmann die Veranstaltung. Das Ziel des Netzwerkes sei sicher auch, verschiedene gemeinsame LEADER Projekte im Sinne der Förderung des Steillagenweinbaus zu entwickeln.
Erster Redner war Professor Dr. Sergely Szolnoki von der Hochschule Geisenheim. Er beleuchtete internationale Trends und Innovationen zum Weintourismus. Der Begriff Weintourismus sei erst vor 35 Jahren in Neuseeland erstmals definiert und kommunikativ genutzt worden. Gerade Weinbauunternehmen der Neuen Weinwelt, also in Australien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Chile und Kalifornien setzten seit dieser Zeit gezielt auf Gäste, die an Weinreisen oder Weinerlebnisangeboten interessiert seien. Diese Art von Weinvermarktung werde inzwischen in allen Weinregionen der Erde in unterschiedlicher Ausprägung praktiziert.
Professor Szolnoki sprach von 10 Prozent Menschen in der Zielgruppe für den Weintourismus, die als ausgesprochene Weinfreaks bezeichnet werden könnten. Weitere 10 Prozent definierte er als aufgeschlossen und durchaus interessiert an Veranstaltungen und Themen rund um den Wein. Aber auf die anderen 80 Prozent, die bisher nicht an Weintourismus Interessierten komme es an. Gerade aus dieser Gruppe gelte es, weitere Kunden zu generieren. Die Hochschule Geisenheim habe inzwischen einige Studien zum Weintourismus durchgeführt. Bei den Reisemotiven gaben die meisten Befragten an, Natur, Erholung, Weinerlebnis, Genuss, Geselliges und Wandern/Radfahren zu suchen. Trends und Zukunftsperspektiven böten die Aspekte Unterhaltung, Bildung, Naturerlebnis, Kultur und Kulinarik.
In den Krisenzeiten während der Corona-Beschränkungen seien von den Anbietern für Weintourismusangebote innovative Modelle und Strategien entwickelt worden. Virtuelle Veranstaltungsangebote, digitale Plattformen, Online Weinproben wurden genutzt. Besonders in den Ländern der Neuen Weinwelt hätten sich von Weingütern initiierte Weinclubs etabliert. Als Trends für die Zukunft hob Professor Szolnoki hervor: 1. Individuelles Genießen (Wohnmobile, Sport, Fahrrad- und Wandertouren); 2. Lokales (Natur, Entdecken, Gastronomie); 3. Digitalisierung (Online Veranstaltungen, Customer-Relationship-Management, kurz CRM, bezeichnet die konsequente Ausrichtung eines Unternehmens auf seine Kunden und die systematische Gestaltung der Kundenbeziehungsprozesse); 4. Gesund und sicher (Nachhaltig, Öko-Weintourismus). Es lohne sich, Konzepte für nachhaltigen Weintourismus zu entwickeln. Über allem müsse aber die Wirtschaftlichkeit der effektiven Maßnahmen stehen. Der Geisenheimer Wissenschaftler plädierte dafür, in vielen Bereichen Kooperationen zu bilden. Biodiversität, Zertifikate, Regionalität und ökologische Wirtschaftsweise dürften in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.
Bärbel Ellwanger, Mosellandtouristik, befasste sich in ihrem Vortrag mit aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der neuen Weintourismusangebote an der Mosel. Die Destination Mosel liege mit über 2 Millionen Gästen und rund 5,7 Millionen Übernachtungen auf Rang 1 der rheinland-pfälzischen Urlaubsregionen. Mit einer Steigerung von fast 5 % im Jahre 2023 gegenüber 2022 sei das Vor-Corona-Niveau fast wieder erreicht. Rund 35 % der Gäste stammten aus dem Ausland. Mit der Tourismusstrategie 2025 würden nun die Alleinstellungsmerkmale erarbeitet und herausgestellt. Die Marke Mosel Faszination Urlaub werde im Rahmen der Regionalinitiative von der Mosellandtouristik erfolgreich bespielt. Die einzigartige Flusslandschaft mit mildem Klima ermögliche für die Gäste ein attraktives Landschaftserlebnis. Der Wein, die Weinkulturlandschaft und die lebendigen Moselweinberge seien dafür prädestiniert, dieses Thema rund um den Wein ganz oben bei den Angeboten anzusiedeln. Vielseitig sei auch das umfangreiche Kulturangebot mit 9 UNESCO Welterbestätten, römischen Kultureinrichtungen, attraktiven Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen wie das Mosel Musikfestival.
Radfahren auf dem Moselradweg und Wandern auf dem Moselsteig mit seinen Seitensprüngen sowie den vielen authentischen und heimeligen Dörfern und Städten würden beim „Zielgruppen orientierten Themenmarketing“ punkten. Weintouristische Angebote bildeten Besuche auf Weingütern, in Vinotheken und Straußwirtschaften, Weinfeste, Events wie Mythos Mosel, Saar-Riesling-Sommer sowie Wein-Wanderungen mit Kultur- und Weinbotschaftern und Naturerlebnisbegleitern. Wein und Kulinarik werde ganz groß geschrieben. Die Mosellandtouristik habe fünf relevante Zielgruppen für den Urlaub an der Mosel definiert. Wanderer und Radfahrer, aktive Naturgenießer, vielseitig Aktive, Städtebesucher und Kultur- und Landschaftsbotschafter. Zu allen Zielgruppen gebe es detaillierte Beschreibungen mit Leitmotiven, Urlaubsmotive, Infoquellen, Buchungsmöglichkeiten und erarbeitete Pauschalangebote. Die Weinqualität stimme, allerdings wünschen sich die Gäste darüber hinaus ein besonderes Weinerlebnis. Hier setzten die Projekte mit den Zukunftsperspektiven an. Die Dienstleistungen der Mosellandtouristik seien vielschichtig: Broschüren, Website, Social Media @visitmosel, Newsletter, Kooperationen mit Journalisten, Pressereisen, Pauschalarrangements, allgemeines Destinationsmarketing, Print- und Onlinewerbung, Podcast, B2B-Workshops, Radiowerbung, Veranstaltungskalender, Deskline Buchungsportal, Buchungs-App und vieles andere mehr.
Rund 2.000 Gastgeber vermarkten über 5.000 Leistungsangebote im System der Deskline. Moselsteig und Wünschelruten Wanderungen, geführte Erlebniswanderungen im goldenen Moselherbst, rustikales Picknick, die Vielzahl der Weinfeste und Kulturevents, Weihnachtsmärkte und das Mosel Musik Festival würden beworben. Beim Projekt Weingastgeber Mosel arbeite die Mosellandtouristik mit IHK, DLR und Weinwerbung zusammen und zeichne besondere Unternehmen in diesem Bereich aus. Bärbel Ellwanger beendete ihre Ausführungen mit den Herausforderungen des Tourismus in den kommenden Jahren. Es gebe eine veränderte Nachfragestruktur mit neuen Gästebedürfnissen, beispielsweise in punkto Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Barrierefreiheit. Leider sei der Fachkräftemangel auf allen Ebenen auch im Tourismus spürbar. Klimawandel und Wetterextreme müssten ins Kalkül gezogen werden. Bürokratische Richtlinien, Sicherheitskonzepte belasteten die Organisation und Durchführungen von Veranstaltungen und Events.
Das Beispiel „Via Mosel“ als weintouristisches Angebot für die Verbindung von Wein und Architektur an der internationalen Mosel behandelte Pia Backendorf. Das Programm von Via Mosel sei aus der Praxis für die Praxis entstanden und verkörpere das erste grenzüberschreitende Angebot der Themen Wein und Architektur. Dabei werde die Weinarchitektur der drei Mosel-Weinbauregionen Frankreich, Luxemburg und Deutschland in den Mittelpunkt gerückt. Von einer Fachjury wurden die schönsten Weingüter und Weindörfer aufgrund ihrer Architektur und touristischen Attraktivität ausgewählt. Inzwischen konnten so 60 Weingüter und 36 Weinorte zur kulturellen Aufwertung der Regionen herausgestellt werden. Weitere Dörfer und Weingüter könnten sich gerne am Programm beteiligen. Als Zielgruppe habe Via Mosel anspruchsvolle, gut situierte Weingenießer im Blick, die mit bemerkenswerter historischer oder zeitgenössischer moderner Architektur zu begeistern seien.
Via Mosel sei zunächst als Projekt von Terroir Moselle geschaffen und über INTEREG-Förderung finanziert worden. Seit 2021 sei Via Mosel ein eigenständiges Tourismusprogramm, das von den teilnehmenden Weingütern, Weindörfern und regionalen Gebietskörperschaften getragen werde. Auf 350 Flusskilometern könne eine einzigartige und sehr diverse Architektur beworben und gezeigt werden. Die teils enge Talform an der Mosel bestimme auch die Bauweise. Architekten seien gefordert. Den Dreiklang von Wein, Architektur und Mosel setze Via Mosel nun um. Dabei sei der Kommunikationsbedarf sehr hoch. Veranstaltungen und Events wie Wochenende mit Offenen Türen der Weinarchitektur an der Mosel, Wanderungen mit speziellen Guides, die Website Bauen im Moseltal, Broschüren und eine Foto-Challenge würden von Via Mosel beworben und durchgeführt. Es sei das Ziel, künftig auch Restaurants und Hotels ins Programm aufzunehmen. An buchbaren Pauschalreisen werde gearbeitet.
Michael Wagner, LAG Wachau, und Adi Aigner, Donau Niederösterreich Tourismus GmbH, stellten den Weintourismus in der Wachau vor. Die Weinregion der Wachau umfasse derzeit 1.400 Hektar Rebfläche. Die Winzergenossenschaft Domäne Wachau vermarkte rund 30 Prozent der Weinmenge. Sonst prägten kleine Strukturen und eher kleine Weingüter die Region. Die Vergrößerung der Betriebe sei nur bedingt möglich. Eine Chance sehen die Betriebsleiter im Thema Weintourismus. Weintourismus führe schließlich zur erfolgreichen Weinvermarktung. Dem Gast ein Weinerlebnis bieten, sei hier die Definition von Weintourismus.
Die Motive der Gäste für einen Besuch in der Wachau stimmten mit denen von Professor Szolnoki genannten überein: Landschaft, Wandern, Radfahren, Essen, Wein, Weltkulturerbe. Donau Radweg und Donau Wanderweg würden gut frequentiert. 8 Prozent der Gäste kämen hauptsächlich wegen Wein, aber keiner ohne auch das Motiv Wein zu nennen. Mit 540.000 Übernachtungen könne die Wachau weintouristisch punkten. Zweidrittel der Gäste kämen aus dem Ausland, früher einmal 40 Prozent davon aus Deutschland, derzeit noch 27 Prozent. Schweizer, Ungarn, Niederländer und Polen würden die Wein-Destination Wachau heute buchen. Die Wachau könne natürlich keinen Wintertourismus bieten. Im März starte der saisonale Veranstaltungskalender mit dem Fest zur Marillenblüte und ende mit zahlreichen Events im Weinherbst im Oktober. Führungen, Verkostungen, Kulinarisches mit Gastköchen, Musik und Wein für jüngeres Publikum, Kulturevents auf Weingütern, das Wachau Gourmet Festival, mit hochwertig ausgerichteten Veranstaltungen würden zahlreiche Genussmenschen in die Region bringen. Genuss on Tour mit einem Holzboot über die Donau an den Weinlagen der Wachau vorbei mit Weinprobe und Essen an Bord sei ein attraktives Event. Der Weinfrühling Wachau werde in diesem Jahr mit Betrieben von der Mosel als Gastweingüter durchgeführt. Wegweiser für alle diese Veranstaltungen und Events biete die App MyWachau.
Michael Wagner und Adi Aigner stellten zahlreiche Weinbaubetriebe und Unternehmen mit weintouristischen Angeboten als Best Practice Beispiele vor. Auch sie nannten als Herausforderungen der Zukunft den zunehmenden Fachkräftemangel und das Problem, dass vor allem die Weingüter im Hochpreissegment keinen Heurigenausschank mehr betreiben wollten. Die wirtschaftliche Entwicklung in den derzeitigen Krisenzeiten sei eher unklar. Die Chance Weintourismus werde von einigen Akteuren ergriffen, auch weil andere Absatzkanäle wegzubrechen drohten.
Mit Regionalmanagement für die Region begeistern, lautete das Thema von Simone Röhr, Geschäftsführerin der Regionalinitiative „Faszination Mosel“. Die Regionalinitiative werde getragen von sechs Säulen einer Markenfamilie Wein, Tourismus, regionale Produkte, Kultur, Naturlandschaft und Welterbe. Die Aufgaben der Geschäftsstelle seien vielfältig, von der Gestaltung der Homepage, dem Erstellen eines regelmäßig erscheinenden Newsletters, Betreuung von Social Media-Aktivitäten, der Organisation und Durchführung eines Moselkongresses bis zu Medienarbeit und Pressereisen, Exkursionen und Austauschtreffen. Der Verkauf von Merchandising-Artikel wurde angestoßen und inzwischen an einen Dienstleister in diesem Bereich ausgelagert. Die Regionalinitiative sei im Jahre 2006 gegründet worden und vereinigte zunächst Kommunen, Verbände, Kammern, Vereine und Organisationen der gesamten Mosel unter einem Dach, mit dem großen Ziel, das Weinanbaugebiet und die Tourismusregion nach vorne zu bringen. Aus dem Dachmarkenkonzept sei nun die Markenfamilie Faszination Mosel geworden. Dank der Einrichtung der Kümmererstelle konnten Kommunikation und Aktivitäten gebündelt und organisiert werden.
Seit 2020 schreibe die Regionalinitiative jährlich Themenjahre aus. Diese richten sich an Zielgruppen, zunächst die Menschen, die in der Region leben, aber auch an die Gäste und Besucher der Mosel. 2020 hieß das Motto des Themenjahres „Artenvielfalt“ mit der Durchführung einer Woche der Artenvielfalt. Seminare zum Trockenmauerbau und der Aufruf 100 Lebenstürme in der Region zu bauen, zählten ebenfalls zu den Aktivitäten dieses Themenjahres. 2021 lautete das Themenjahr „Genuss und Kulinarik“ und 2022 „Kunst und Kultur“. 2023 waren es die „Menschen in der Region“ und derzeit heißt es „Mosel bewegt“. Im Laufe dieser Themenjahre seien viele Aktivitäten auf den Weg gebracht worden, die fortgeführt werden, wie die Viezprämierung, die Brennertage im Herbst, Mosel pflanzt Genuss, längste Musikmeile Deutschlands, Kunst am Fluss, die Roadshow mit der Kulturkarawane Trier, eine Foto-Challenge passend zum jeweiligen Themenjahr, der Adventskalender Mosel-Genuss, Co-Working Standorte und vieles mehr. Beim jährlichen Mosel-Kongress würden kreative, innovative Konzepte, Ideen und Leuchtturmprojekte vorgestellt und die Macher als Mosel-Helden ausgezeichnet. Der nächste Moselkongress finde in diesem Jahr am 30. Oktober im Tagungszentrum der IHK in Trier statt. Simone Röhr wies zum Schluss ihrer Ausführungen darauf hin, dass viele Projekte und Vorhaben der Regionalinitiative mit dem LEADER Gedanken übereinstimmten und gefördert werden konnten.
Die Teilnehmer beim LEADER Steillagen-Netzwerk-Treffen wurden dann in Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich mit weiteren weintouristisch relevanten Themenkomplexen beschäftigten. Beim Thema Straußwirtschaften wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb einer Straußwirtschaft kritisiert. Hier müsse eine flexiblere Gestaltung ermöglicht werden, sowohl was die Öffnungszeiten als auch das kulinarische Angebot betreffe.
Weinkonsum bei der Generation der jungen Erwachsenen war der Titel einer zweiten Arbeitsgruppe. Das Interesse dieser Zielgruppe am Thema Wein schwinde. Alternativen wie Pet Nat, weinhaltige Getränke mit weniger Alkohol, alkoholfreie Weine, neue Produktinnovationen wie alkoholfreier Trauben-Secco, aber auch Zukunftsweine der PiWi-Rebsorten sowie Themen zum nachhaltigen Wirtschaften wurden diskutiert. Auf alle Fälle sei es ratsam, die weintouristischen Akteure für diese Themen zu sensibilisieren.
Thema drei war, Aussichtspunkte aufzuwerten. Hier wurden mobile Lösungen vorgeschlagen. Solche Punkte sollten Bildungselemente und digitale Information enthalten. Kooperationen mit den Winzern vor Ort, den Heimatvereinen oder interessierten Bürgerinnen und Bürgern müssten gesucht werden. Oft gebe es bei der Einrichtung eines neuen Aussichtspunktes Konflikte mit dem Naturschutz. Themenwege mit dem Bildungsziel Natur und Umwelt zum Aussichtspunkt könnten die Konflikte eventuell entschärfen.
Beim Themenkomplex Familienurlaub in der Weinregion wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, die Kinder mit attraktiven Angeboten zu berücksichtigen. Natur erleben, Landschaft erleben, Projekte wie Kinderwingert, Erlebnistouren für Kinder Schnitzeljagd, Geocaching, Abenteuer Spielplätze, Malwettbewerbe – es komme darauf an, bei den Kindern Interesse und Spannung zu wecken.
Den Flusskreuzfahrt-Tourismus nahm eine weitere Arbeitsgruppe unter die Lupe. Die Gäste von einem Kreuzfahrtschiff würden ja bereits auf dem Schiff mit Essen und Trinken versorgt und seien daher kaum als zahlungskräftige Besucher der Weinorte anzusehen. Spezielle attraktive Angebote könnten hier eventuell Abhilfe schaffen. Vorgeschlagen wurde die Einführung einer Kurtaxe, die pro Passagier eines Kreuzfahrtschiffes an die Kommune der jeweiligen Schiffsanlegerstelle zu entrichten wäre.
Bei der Arbeitsgruppe Tourismus und Wein wurden die Themen der Tagung dann noch einmal diskutiert. Schlagworte wie ganzjährige attraktive Angebote schaffen, Netzwerke errichten, mehr Übernachtungsmöglichkeiten installieren, Gästeführer ausbilden, Weiterbildungsangebote zum Wein kreieren, spezielle Weintourismusangebote buchbar machen, Beratung zur Thematik verstärken und Förderprogramme nutzen und erweitern.
Mit einer Besichtigung im Bremmer Calmont und im Weingut Franzen in Bremm endete die Tagung des LEADER-Steillagen-Netzwerks an der Mosel.
Text: Gerd Knebel